Wer einen Oldtimer oder einen „Youngtimer“ verkaufen möchte, benötigt einen guten technischen Sachverstand. Ein Oldtimer ist ein Stück technischen Kulturgutes und erfordert andere bzw. komplexere Wertermittlungs-Kategorien als aktuelle PKW. Deshalb sollten Sie Ihren Oldtimer nicht übereilt an den erstbesten Interessenten verkaufen, der Ihnen ein stattliches Sümmchen offeriert. In den Markenclubs Ihrer Stadt können Sie vielleicht fachmännische Hilfe von Experten für Ihren Fahrzeugtyp finden. Um Ihren Oldtimer für einen angemessenen Preis verkaufen zu können, müssen Sie in jedem Fall dessen Wert genau kennen.
Ein gutes Verkaufsargument kann ein bestehender FIVA-Fahrzeugpass (FIVA Identity Card) für Ihren Oldtimer sein. Dieser wird für anerkannte historische Fahrzeuge nach einer Prüfung ausgegeben und gilt für einen Zeitraum von zehn Jahren. In Deutschland ist der ADAC die Vertretung der FIVA. Für den Fahrzeugpass kategorisiert der ADAC Ihren Oldtimer nach „Fahrzeugklasse“ und „Erhaltungsgruppe“ (Quelle: Wikipedia):
Fahrzeugklassen:
• Typ A: Standard – serienübliche Ausstattung
• Typ B: Zeitgenössisch verändert – zu ihrer Zeit verändert
• Typ X: Ausnahme – Veränderungen nach ihrer Zeit
• Typ C: Nachbau – Nachbau eines historischen Fahrzeugs
Erhaltungsgruppen:
• Gruppe 1: authentisch – komplett im Originalzustand
• Gruppe 2: original – lückenlose Historie, nie restauriert
• Gruppe 3: restauriert – restauriert, unerhebliche Abweichungen
• Gruppe 4: wiederaufgebaut – nahe an der Hersteller-Spezifikation wieder aufgebaut
Auch wenn die Oldtimer teilweise aus Zeiten stammen, in denen ein Handel noch per Handschlag abgeschlossen wurde, sollte man heutzutage einen wasserdichten Oldtimer Kaufvertrag zur Hand haben; gerade weil es dabei um sehr viel Geld gehen kann. Beim ADAC kann man sich einen speziell für Oldtimer-Besitzer angefertigten „Kaufvertrag für Oldtimer-Fahrzeuge“ herunter laden. Dieser berücksichtigt die speziellen Belange, die beim Oldtimer Verkauf berücksichtigt werden müssen.
Wer darauf gekommen ist Oldtimer als Geldanlage in gut klimatisierte Garagen zu stellen, wie andere Menschen Geld auf einem Konto lagern, ist unklar. Man trifft jedoch immer wieder auf die Formulierung „Oldtimer gleich Goldtimer“. Doch werden Oldtimer wirklich jedes Jahr mehr wert?
Für einzelne, seltene Exemplare trifft das sicher zu, doch man muss schon Oldtimer Experte sein, um abschätzen zu können, welche Modelle in den kommenden Jahren stark im Wert steigen werden. Denn für Laien ist es mit Oldtimer wie mit Wein: Lagert man die falschen ein, gewinnen sie nicht an Aroma und Wert, sondern werden zu Essig.
Hinzu kommt natürlich, dass der Oldtimerfan, der seine Fahrzeuge nicht nur als Liebhaberobjekte, sondern auch als Wertanlage versteht, seinen Autos regelmäßige Pflege und Wartung zukommen lassen muss. Dies gilt insbesondere dann, wenn die schönen Stücke für Sonntagsfahrten und sonstige Vorführungen benutzt werden. Da benötigt die Geldanlage auf der Bank deutlich weniger Pflege. Außerdem können Oldtimer gestohlen oder beschädigt werden, was Sie als Geldanlage wiederum weniger attraktiv macht als andere Anlageformen. Letztendlich sind Oldtimer doch in erster Linie Sammlerstücke und Relikte aus vergangenen Epochen der Automobilindustrie. Sie professionell als Geldanlage horten zu wollen, erscheint bei näherem Hinsehen als wenig sinnvoll, bzw. nicht sinnvoller als der Handel mit Autos im Allgemeinen.